Jens ist von PX auf Moto umgestiegen und hat sehr nett berichtet, was dann alles passierte:

Jens Anderssens Moto-Erfahrungen

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Wie alles begann

1997 war ich mal wieder beim lokalen Vespa-Händler, der auch Aprilia vertreibt, und brauchte ein paar Ersatzteile für meine PX. Dort stand eine nagelneue Moto in orange/silber in der Ausstellung und meine Frau sagte, daß dieses das einzige Motorrad sein, das Ihr gefiel und den ganzen Japan-Restmüll müsse man vergessen (ich will keinen beleidigen! Über Geschmack läßt sich halt nicht streiten.). Ich habe mich auch sofort in das Design verliebt, alles sah so toll aus, außer das Preisschild. Also DM´s gezählt aber es half nichts, die Neumaschine war nicht drinn. Im Mai 2001 war ich wieder bei dem Händler weil meine PX eine Totalrevision benötigte und ich selbst keine Zeit hatte. Dort stand Sie wieder als Gebrauchtmaschine mit nur 6700 Km auf der Uhr. Nach einer Probefahrt und Verhandlungen war auch der Preis in Ordnung. Eine Anfängerin hatte die Moto 1998 gekauft, auf 34 PS drosseln lassen und 2 Jahre gefahren. Dann ist sie wieder entdrosselt worden und noch ein Weilchen mit 42 PS gelaufen. Sicher war die Moto doch zu schlapp und es mußte was stärkeres her. So wartete die Moto nur auf mich (nein, ich leide nicht an Selbstüberschätzung).

Die Probefahrt

Mit dem Händler hatte ich eine Probefahrt vereinbart, es mußte ja schnell gehen. Zum vereinbarten Termin sagte die Moto gar nichts, die Batterie war völlig zusammengebrochen. Also neue Batterie hinein und los gings. Zu zweit bei super Wetter den Neckar hinab Richtung Heidelberg. Nach einer Stunde wollte meine Sozia eine Pause, da das "Brötchen" auf Dauer nur was für Masochisten ist. Wenn man sonst nur 12 PS-Roller fährt, sind die 42 Moto-Pferde die Offenbarung, die ziehen sauber was weg und klingen auch noch motiviert. Trotz der eingeschränkten Sozius-Tauglichkeit war der Kauf schnell beschlossene Sache.

Ich hab Sie!

Also Maschine gekauft, mit der Versicherung gefeilscht und mit Saison-Kennzeichen April bis Oktober angemeldet. Das Saison-Kennzeichen ist eine feine Sache. Früher bin ich mit der PX immer gefahren, auch im Winter bei -15° C, was mir 2 super Lungenentzündungen mit über 40 Fieber eingebracht hat. Den Mist mache ich heute nicht mehr. Kennzeichen montiert und los gehts. Es ist herrlich. Sehr schnell erfahre ich, daß es zu Moto nur zwei Meinungen gibt: 1. Schmeiß weg, den Klumpen! oder 2. Sieht super aus! Dazwischen scheint kein Platz für andere Meinungen zu sein, egal ob von der Chopper- oder Yoghurtbecher-Fraktion. Ich bevorzuge die Meinung 2 und bin saustolz.

Der Alltag

So beginnt eine wundervolle Zeit, in der ich mit der Moto zum Job fahre und die Landstraßen der Umgebung entdecke, fleißig die Kette fette und nachspanne und richtig glücklich bin, auch wenn man mit dem Fahrwerk und den Reifen keine saubere Linie fahren kann (Siehe die Erfahrungen). Einmal ereilt mich das Pech und ich falle auf die Schnauze. Die Straßenflicker hatten eine Baugrube in der Straße mit einer Stahlplatte abgedeckt und ich habe die Kante in einem zu spitzen Winkel erwischt. Ich war zwar schon sehr langsam, aber trotzdem ist das Vorderrad seitlich weggerutscht. Dieses brachte mit ein Paar Kratzer an Tank und Scheinwerfergehäuse (bleibt so, Ersatzteile sind selten), einen gebrochenen Blinker und einen verbogenen Lenker. Wegen der langen Lieferzeiten für Lenker und Blinker (4 Wochen) habe ich die Teile behelfsmäßig geflickt und gerichtet um mobil zu bleiben.

Die Winterpause

Das Wetter wird schlechter, die Saison ist vorrüber. Also ab mit der Moto in die Garage und die Batterie raus ans Ladegerät und den Rest einmotten. Hoffentlich ist bald April.

Die neue Saison 2002

Es ist der 1. April, die Batterie ist wieder eingebaut, Ölstand und Reifendruck stimmt, aber diese Italo-Diva will nicht anspringen. Der Anlasser tut wegen der guten Batterie sein Bestes aber die Moto will nicht zünden. Also alles Überprüfen: Schalterstellungen und Zündschloß OK, Sicherungen OK, Benzin OK, Tank runter und die Zündkerze prüfen: Die Kerze ist feucht, somit tut der Vergaser und die Pumpe auch. Alles in bester Ordnung, aber Sie willllll nicht. Bevor ich jetzt den Vergaser aus dem Rahmen popel greife ich zur Radikalkur - Startpiloten in den Luftfilterkasten. Zündung an, Starter gedrückt und - Sie läuft! Warum nicht gleich so, das hätte mir 3 Stunden Bastellei gespart. Saison ich komme!

Der LKW

Man lernt immer dazu: Sturzteile gehen auch kaputt wenn das Fahrzeug geparkt ist. Ein freundlicher LKW-Fahrer hat beim Rangieren mit seinem Auflieger der linken Spiegel erwischt und der kleine Aluguß-Halter, der auch die Kupplungsarmatur hält, ist abgebrochen. Zum Glück ist er gebrochen sonst wäre mit Sicherheit die ganze Maschine umgekippt und der Schaden wäre riesig bei dieser Ersatzteilversorgung. Ohne den linken Spiegel fahren geht, aber ist beim Spurwechsel nicht angenehm. Also den Halter bestellt. Aprilia hat in den vergangenen 2 Wochen nur durch den Händler verlauten lassen "Zur Zeit nicht lieferbar" aber einen neuen Termin gabs nicht. Jetzt kann sich Aprilia Deutschland mit einer E-mail von mir rumärgern und ich schreibe gerne E-mails. Gestern hat es mir gereicht, ich brauche den linken Spiegel (zu allem Überfluß ist im nächsten Monat TÜV und ohne Spiegel ...). Also habe ich alle Händler in 100 Km Umkreis abtelefoniert aber keiner hat das Teil nur die Firma Klump in Vaihingen/Enz hatte etwas ähnliches. Den Halter von einer alten "Wind", er ist schwarz (war mit einer silbernen Sprühdose schnell behoben) und paßt. Zwar stehen die Spiegelarme jetzt nicht im gleichen Winkel aber ich sehe wieder was - toll ! Wie es mit Aprilia weitergeht werde ich berichten.

Die Erfahrungen von 5000 Km mit..

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... den Reifen

Im Moment habe ich noch die Dunlop Arrowmax drauf. Die Dinger sind Marke "Holzrad". Bei Nässe verlieren Sie jeden Grip und jede Kurve wird spannend, besonders wenn noch Fahrbahnmarkierungen hinzu kommen. Bei Trockenheit zappelt die ganze Fuhre auf Längsrillen, die Dank der hilflosen Bastellösungen unserer Straßenbauer immer häufiger werden (Sind unsere Straßenbauer etwa die Promo-Abteilungen der Voll-Crosser-Hersteller ?). Aber ich habe Glück: Vorder- und Hinterreifen sind fertig und jetzt gibt es Metzeler Gummis. Ich habe die Kombination ME330/ME550 in den Moto-Standardgrößen bestellt. Wie gesagt, bestellt. Der Hinterreifen ist als 130/90-17 in dieser Saison als Neuheit angekündigt und soll im Mai lieferbar werden. Mal sehen ob die Münchner einen Reifen gebacken kriegen. Der Reifentyp ist in MOTORRAD als Allrounder bezüglich Grip, Nässehandling und Haltbarkeit ganz gut weggekommen, wird aber auf der Metzeler-Homepage mit keinem Wort erwähnt. Sobald ich erste Erfahrungen habe, gibts einen Bericht für für Deine Homepage.

... der Gabel

Die Gabel scheint eine echte Fehlkonstruktion zu sein. Mit den Standardfedern geht Sie beim Bremsen auf Anschlag. Muß man mal voll in den Stopper greifen, verzieht sich die Gabel nach links zur Bremsscheibe (die Gabelrohre sind vorschriftsmäßig geklemmt) und dieses niedliche Stabilisator-Blech scheint seiner Aufgabe auch nicht gewachsen. Hat jemand schon Erfahrungen mit Gabel-Stabis gemacht ??? Wenn bei mir die Dichtringe aufgeben und die Gabel ausgebaut werden muß kommen dort ein Paar Progressivwirkende hinein - irgendwie muß man doch dieser schlabberigen Konstruktion beikommen.

... dem Motor

Der Motor ist prima, er hämmert und stampft, klingt prima, hat ein tolles Drehmoment (hat Rotax versehentlich eine Diesel-Grundkonstruktion auf Benzin umgearbeitet ?) und - säuft !!! Mir ist zwar bekannt, daß in Italien grundsoliden Rebenprodukten fleißig zugesprochen wird aber 1. ist der Motor ein Österreicher und 2. saufen nicht mal die Italiener so viel. Je nach dem wie man an der Gasstrippe zieht, lutscht sich der freundliche Eintopf 6 bis 7,5 Liter Super aus dem Sprittfaß. Da aber alle Moto´s zur Trunksucht neigen, scheint das normal zu sein. Also soll er saufen, ich werde es ihm nicht abgewöhnen können.

... den Kennzeichen

Unsere Nummernschilder sind Spitze. 3 Wochen nach Zulassung war dieses Schildchen zu 2/3 durchgerissen und ließ sich nicht mehr richtig festschrauben. Auf den Dingern steht zwar DIN drauf, aber taugen tun höchstens als Lesezeichen im Ersatzteilkatalog. Also zur Zulassungsstelle und neues Schild besorgt. Der eifrige "Schilderpresser" guckte zwar sparsam als ich ihn ob der schlechten Festigkeit des Alu rügte und murmelte was von "die einzigen Rohlinge, die es gibt", ich hätte ihn würgen können. Fix das neue Kuchenblech drangeschraubt (2 Schrauben, keine Schutzblechverlängerung) und Heimgefahren. Zuhause waren die Buchstaben schon dabei an der Prägelinie aus der Tafel zu reißen. So gehts nicht weiter ! Bei einem Schlosser habe ich aus dem Schrott ein Stück AlMg3 (Alu-Mangan-legierung - schön stabil, nicht so spröde wie Rein-Alu), 2 mm dick ergattert. Ich habe es sogar für einen kleine Beitrag für die Kaffeekasse zu geschnitten bekommen. Dann war alles ganz einfach: Alle 4 Ecken klein durchbohren und Kennzeichen und Trägerplatte zusammenschrauben (M3-er Schrauben reichen) dann das Sandwich mit den beiden Orginalschrauben befestigen. Jetzt ist Ruhe - das Kennzeichen kann reißen wie es will, es kommt nicht mehr weg - da strahlt das Heimwerkerherz.

... dem Startverhalten

Eins mag die Moto nicht, nach längerem Stehen anspringen. Am besten gehts so, wobei Temparatur und Feuchtigkeit egal ist: Choke ganz auf, kein Gas und Starten. Wenn Sie kurz zuvor gelaufen ist - ohne Choke - wenn Sie seeehr lange gestanden hat - Startpilot. So hat es bislang immer funktioniert.

... dem Knallen im Schiebebetrieb

Kann ich leider nichts zu sagen, habe ich nicht. (Ich weiß aber auch nicht, ob an den Steuerzeiten herrum gefummelt worden ist.)

... der Kette und Ritzeln

Da der Motor so schön Drehmoment hat und der Fun-Faktor vom aufziehen bestimmt wird, wird natürlich ordentlich an der Kette gezerrt (wie ein Pitbull an der Leine). Ich bin mit der Kette noch nicht an der Verschleißgrenze, aber alle 500 bis 1000 Km Kette fetten und spannen muß drin sein, sonst kommen sehr ungewöhnliche Geräusche von der Kette beim Fahren. Also immer fleißig ...

... dem Rücksteller des Tageskilometerzählers

Er fehlt bei mir, schon als ich die Maschine kaufte, fehlte er. Aber ich brauche ihn nicht, soll er doch einfach weiterzählen und mit ein wenig Kopfrechnen bekommt man sogar des Nachtanken hin: nächster Halt = Kilometerstand beim Tanken + 150 km. Ist doch ganz einfach.

... der Ersatzteilversorgung

So sehr viele Ersatzteile habe ich noch nicht gebraucht, aber auf das Wenige habe ich hinreichend lange gewartet. Ich habe noch nicht herausgefunden, ob die Schnarrchnasen in Düsseldorf oder in der Zentrale in Italien hocken, aber es scheinen Beamte (es lebe das Vorurteil) zu sein - hohe Kosten bei fast null Tätigkeit. Nur mit bunten Internet-Seiten kann auch Aprilia die Kundschaft nicht bei Laune halten - es muß dringend Service her, sonst schafft es Aprilia noch, daß Ihr Marktanteil unter 0% sinkt. Schade um die tollen Moppeds.

... den bruchfreudigen Blinkern

Wenn es mal wieder einen erwischt hat und auch kein Ersatzteil zu haben ist, hilft es ,wenn der gerippte Arm gebrochen ist, sich eine Blechhülse aus 0,5er Blech (gibts in jeder Autowerkstatt, notfalls mit der Küchenschere aus einem Schrottkotflügel herausschneiden) mit einer Rundzange zu biegen und mit Sekundenkleber in den Arm einkleben. Hält bis zum nächsten Ersatzteil, es ist nicht zu starr.

Soweit meine Erlebnisse und Erfahrungen. Wenn ich wieder was Neues herausgefunden habe, gibts einen Nachtrag.

Tschüs Jens Andersson

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© 2002 Jens Andersson